Schlaganfall was nun???

Nach meiner Radtour 2006 hatte ich auch für 2007 große Pläne. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Es sollte alles anders kommen.

Im März war ich wie jedes Jahr auf Mallorca zum Triathlon Training. Am Morgen des 4 .Tages wachte ich auf und fühlte mich etwas merkwürdig. Ein Gefühl wie nach einer durchzechten Nacht. Alte Erinnerungen kamen wieder hoch. Händezittern, Gleichgewichtsstörungen und innere Unruhe. Ich konnte mir diesen Zustand nicht erklären und führte ihn auf irgend einen Mangel oder zu hartes Training zurück. Gegen Abend konsultierte ich unseren Arzt Iro. Er war etwas besorgt und wir fuhren ins Krankenhaus nach Palma. Dort wurde jedoch nichts auffälliges festgestellt. So dass ich die nächsten Tage weiter mittrainierte. Erst 3 Tage später wieder in Deutschland bestand meine Frau Daggi darauf, dass wir ins Krankenhaus fuhren. Um des lieben Frieden willens gab ich nach, zumal ich ja am nächsten Tag den Halbmarathon mitlaufen wollte.

Doch daraus wurde nichts. Die deutschen Ärzte sind etwas gründlicher, als die spanischen. Ich verbrachte die nächsten 2 Tage auf der Intensivstation-Schlaganfall. Ich konnte das gar nicht begreifen. Eigentlich fehlte mir nichts so richtig. Vielleicht ist es manchmal besser, nicht zu wissen dass man eine Krankheit hat. Alle waren plötzlich fürchterlich besorgt. Da kann man ja nur krank werden. Das richtige Ausmaß des Schlaganfalles sollte ich aber erst nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus erkennen. Solange wie ich im Krankenhaus im Bett lag, war alles o.k, aber wieder zu Hause - der ganzalltägliche Wahnsinn war für mich einfach nicht mehr auszuhalten. Arbeiten mehr als 2 Stunden überschritten meine Kräfte und ich musste mittags wie ein kleines Baby erst mal ins Bett. Meine physische und auch psychische Leistungsfähigkeit war auf wundersame Weise um mindestens 50 Prozent reduziert. Ich konnte es nicht begreifen, was war passiert ?Aber nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch meine Wahrnehmungen und Gefühle waren durcheinander. .Ich konnte mich nicht mehr darauf verlassen, dass das was ich sah, auch von mir wahrgenommen wurde. Eine Rote Ampel hatte nicht mehr die Bedeutung wie früher. Mit Vorliebe blieb ich bei grün an der Strasse stehen. Telefonieren wurde zum Problem, weil die Finger nicht mehr die richtigen Zahlen treffen wollten. Schreiben auf dem PC brachte mich dem Wahnsinn nahe. Beim Zeitung lesen konnte ich fast bei jeder Meldung heulen. Der täglichen Büroarbeit war ich nicht mehr gewachsen. Ich brauchte eine Auszeit. Da kam die Reha in Kreicha zum richtigen Zeitpunkt. 4 Wochen sich in der Geborgenheit einer Klinik verstecken, sollten mir doch wieder auf die Beine  helfen. Als ich jedoch in Kreicha ankam und ich das ganze Elend dieser Welt hier in der Klinik versammelt sah, fiel ich in ein tiefes Loch. Depressionen, die einen Schlaganfall gerne begleiten, drohten mich zu übermannen. Da half nur eins, neue Ziele stecken, sich auf etwas Schönes konzentrieren. Nun ist es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja so, dass wir fast unserer kleinen Freunden beraubt sind, weil wir alles haben. Zum Glück fiel mir noch etwas ein.

Mein alter Kindheitstraum. Einmal mit dem Fahrrad um die Welt. Warum eigentlich nicht. Ich dachte mir ein Schlaganfall ,jetzt erst recht. Dieser Gedanke und die Planung der Reise bauten mich unwahrscheinlich auf.

In Gedanken war ich nicht in Kreicha, sondern fuhr mit dem Rad durch Kasachstan oder China. Hier hatte ich endlich Zeit, eine solche Reise zu planen.  Ich hoffe, dass ich bis zum Ende meiner Reha alle Vorbereitungen abgeschlossen haben werde. Das ich vollständig wieder gesund werde, daran zweifle ich nun nicht mehr. Wer eine Weltreise machen will, muss einfach gesund sein. Manchmal muss sich die Logik auch  den  Umständen anpassen